Die blinde Stelle vieler Vertriebsstrategien
Vertriebsorganisationen optimieren CRM-Stages, doch 80% des Kaufwegs erledigt der Kunde inzwischen allein. Ignoriert der Verkäufer den Einkaufsprozess, steigt er zu spät ein oder spricht die falschen Stakeholder an.
Die fünf Phasen des Einkaufsprozesses
| Phase | Ziel des Käufers | Chancen für Sales |
|---|---|---|
| Idee | Problem oder Potenzial erkennen | Als Ideengeber Trends und Use-Cases liefern |
| Konzept / Projektvorschlag | Lösungs- und Partneroptionen sammeln | Ideenförderer: Referenzen teilen, Machbarkeit klären |
| Evaluation | Anbieter vergleichen, Nutzen prüfen | PoC, ROI-Berechnung, Konsens im Buying-Center stiften |
| Budgetierung | Investition intern rechtfertigen | Business-Case verfeinern, finanzielle Argumente liefern |
| Vergabe | Vertrag abschließen | Verhandlung führen, Risiken minimieren |
Die ersten drei Phasen bilden die Beeinflussungsphase: Hier kann ein Anbieter noch Agenda-Setter werden. Ab Budgetierung startet die Verkaufsphase – der Lösungsrahmen ist fix, Spielraum sinkt.
Drei Rollen in der Beeinflussungsphase
Ideengeber
Bedarf wecken, Thought-Leadership setzen.
Ideenförderer
Erstideen strukturieren, Stakeholder vernetzen.
Experte
Fachberatung liefern, Risiken antizipieren.
Wer früh eine dieser Rollen besetzt, wird zur impliziten Benchmark – statt später nur über Preis zu konkurrieren.
Einkaufsgesteuert verkaufen: Praxisleitfaden
Konkrete Umsetzungsschritte
- Buying-Center kartieren und Ziele jeder Person verstehen
- Content entlang der fünf Phasen mappen – vom Awareness-Artikel bis zum ROI-Deck
- Trigger-Events wie Budgetfreigaben oder Vorstandsprojekte monitoren
- Gemeinsame Roadmap mit Milestones und Entscheidungspunkten erstellen
- Value Proof sichern: Business-Case, Referenzen, Pilot
Häufige Stolpersteine
Typische Fehler vermeiden
- Einstieg erst bei Ausschreibung → nur Preis bleibt Differenzierungsmerkmal
- Fokus auf technische Champions ohne Budgetmacht
- Funnel-KPIs erzwingen Push-Taktik, obwohl Kunde noch in der Ideenphase ist
Fazit
Moderne Vertriebsarbeit beginnt im Kopf des Einkäufers, nicht im Pipeline-Report. Wer Aktivitäten entlang Idee → Konzept → Evaluation → Budgetierung → Vergabe ausrichtet, verlagert den Wettbewerb von der Preisverhandlung zur Konzeptgestaltung – dort entsteht Marge.
